Lasst uns Männer und Frauen sein, die die Wahrheit lieben
Predigt vom 20. März 2021
In den Evangelien warf Jesus den Pharisäern oft ihre Heuchelei vor, ihren Mangel an Wahrheit über sich selbst. Doch auch im Evangelium, das wir gerade gehört haben, geben sich die Pharisäer dieser Heuchelei hin. Sie wollen Jesus verurteilen, ohne ihm zuzuhören. Sie wollen ihn töten, ganz einfach, weil er Wahrheiten ausspricht, die sie beleidigen – Wahrheiten über sich selbst.
Nikodemus öffnete ihnen die Augen. Wie kann man jemanden anklagen, ohne ihn gehört zu haben? Selbst wenn wir wissen, dass jemand einen Fehler begangen hat, gilt seit dem Mittelalter (dies war ein Fortschritt der kirchlichen Gerichte) die sogenannte „Unschuldsvermutung“.
Auch wenn die Unschuldsvermutung im Gesetz noch nicht so definiert war, existierte sie doch zumindest in den zwischenmenschlichen Beziehungen und Verhaltensweisen: Jeder konnte sich verteidigen. Doch Jesus profitierte in den Augen der Pharisäer nicht von dieser Unschuldsvermutung.
Er wurde verurteilt, weil er ihnen lästig war. Glücklicherweise erkannten einige in der Menge ihn als einen Mann der Wahrheit. Manchmal machen wir denselben Fehler wie die Pharisäer: Wir kritisieren Menschen, ohne ihnen zuzuhören, ohne wirklich zu wissen, was ihr Handeln motivierte.
Jesus fordert uns mit diesem Abschnitt des Evangeliums, den wir gerade gehört haben, auf, Menschen zu sein, die die Wahrheit lieben und nach ihr suchen. Lasst uns die Menschen nicht verurteilen und nicht hinter ihrem Rücken über sie reden, ohne ihre wahren Motive zu kennen.
